Bauprodukte können die Innenraumluft durch flüchtige organische Verbindungen (VOC) belasten. Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) hat ein Bewertungsschema entwickelt, das gesundheitsbezogene Qualitätsmaßstäbe definiert. Das Schema wurde vom Umweltbundesamt (UBA) überarbeitet und bietet eine einheitliche, nachvollziehbare Grundlage für die Bewertung von VOC-Emissionen.

Das Bewertungsschema des AgBB legt Prüfkriterien fest, die VOC-Emissionen aus Bauprodukten gesundheitlich bewerten. Dazu gehören normierte Prüfverfahren, die auf die DIN EN 16516:2018-01 Bezug nehmen. Die Bewertung erfolgt auf Basis von 184 NIK-Werten (Niedrigste Interessierende Konzentration), die im AgBB-Bewertungsschema detailliert erläutert sind. Dabei wurden EU-LCI-Werte (Lowest Concentration of Interest) übernommen, um die Harmonisierung auf europäischer Ebene zu fördern.

Die überarbeitete Fassung bringt mehrere wichtige Änderungen: Das Schema wurde an die Muster-Bauordnung (MBO) und die Muster-Verwaltungsvorschrift – Technische Baubestimmungen (MVV TB) angeglichen. Die NIK-Werte wurden an EU-LCI-Werte angepasst, was eine europaweit vergleichbare Bewertungsgrundlage schafft. Auf freiwilliger Basis können Produkte nun auch auf Geruchsbelästigung geprüft werden, wobei Erkenntnisse aus Pilotphasen und Ringversuchen einfließen.

Für Sie als Verarbeiter bedeutet das: Produkte, die nach diesem Schema geprüft sind, erfüllen strenge Emissionsanforderungen. Achten Sie auf entsprechende Kennzeichnungen und Zertifikate – sie geben Ihnen Sicherheit, dass die Materialien die Innenraumluft nicht unnötig belasten. Prüfen Sie vorab, ob das Produkt nach AgBB-Schema zertifiziert ist oder über eine entsprechende Produktdeklaration verfügt.

Bei der Verarbeitung können Sie die Emissionsbelastung zusätzlich minimieren: Sorgen Sie während und nach der Verarbeitung für ausreichende Frischluftzufuhr. Das beschleunigt das Ausgasen flüchtiger Verbindungen. Halten Sie die vom Hersteller empfohlenen Temperaturbereiche ein, da höhere Temperaturen die VOC-Freisetzung verstärken können. Geben Sie den Materialien ausreichend Zeit zum Aushärten, bevor weitere Schichten aufgebracht oder Räume genutzt werden.

Für die rechtliche Absicherung sollten Sie Produktdatenblätter und Zertifikate archivieren. Bei Streitfällen können Sie so nachweisen, dass Sie Baustoffe mit geprüften Emissionswerten eingesetzt haben.