Wenn Sie Großformatfliesen auf Gipskartonplatten, Naturstein im Außenbereich oder Feinsteinzeug in der Dusche verlegen, genügt ein Einheitsmörtel nicht. Die europäische Norm DIN EN 12004 (bzw. ISO-Norm 13007 Teil 1) legt exakt fest, welche Leistungsanforderungen Fliesenkleber erfüllen müssen. Zementhaltige Mörtel werden mit den Buchstabencodes C1 und C2 klassifiziert, ergänzt durch optionale Zusatzeigenschaften wie T, E oder F. Die Kennwerte S1 und S2 beschreiben die Durchbiegung und damit die Flexibilität des ausgehärteten Klebemörtels. Wer diese Codes lesen kann, wählt den Kleber präzise auf Fliese, Untergrund und Umgebungsbedingungen ab.

Was bedeuten C1 und C2 bei der Haftfestigkeit?

Die Klassen C1 und C2 definieren Haftzugwerte für zementhaltige Dünnbettmörtel. C1 fordert eine Haftzugfestigkeit von mindestens 0,5 N/mm² und bildet die Mindestanforderung für alle zementären Verlegemörtel. C2 verlangt mindestens 1 N/mm² und beschreibt damit einen deutlich erhöhten Leistungsstandard – doppelt so hoch wie C1.

Beide Klassen werden nach vier verschiedenen Lagerungsarten geprüft:

  • Trockenlagerung
  • Wasserlagerung
  • Warmlagerung
  • Frost-Tau-Wechsel-Lagerung

Dabei muss jeweils der Mindestwert erreicht werden. Zusätzlich fordert die Norm eine Haftzugfestigkeit von mindestens 0,5 N/mm² nach einer offenen Zeit von zehn Minuten für schnell erhärtende Mörtel beziehungsweise nach 20 Minuten für normal erhärtende Mörtel. Für schnell erhärtende Mörtel wird außerdem eine Haftfestigkeit von mindestens 0,5 N/mm² nach sechs Stunden gefordert.

Durchbiegung und Flexibilität: Wann brauchen Sie S1 oder S2?

Die S-Kennzeichnung beschreibt die Durchbiegung des ausgehärteten, zementären Dünnbettmörtels. Gemessen wird an einem definierten Mörtelstreifen (Prüfkörper). S1 steht für verformbare Mörtel mit einer Durchbiegung von mindestens 2,5 mm und kleiner als 5 mm. S2 kennzeichnet stark verformbare Flexkleber mit einer Durchbiegung von mindestens 5 mm – eine Anforderung, die doppelt so hoch ist wie bei der deutschen Richtlinie „Flexmörtel".

Ein zementärer Klebemörtel der Klasse C2/S1 erfüllt damit die deutsche Flexmörtel-Richtlinie und übertrifft sie zugleich in der Flexibilität. Die Klassifizierung C2/S1 ist damit höherwertiger als die ausschließliche Kennzeichnung mit der Flexmörtel-Raute.

Verarbeitungseigenschaften: T, E und F im Detail

Neben Haftung und Flexibilität definiert die Norm optionale Verarbeitungseigenschaften, die frei wählbar sind:

  • T (thixotrop): verringertes Abrutschen an vertikalen Flächen
  • E (extended open time): verlängerte klebeoffene Zeit
  • F (fast setting): schnelles Abbinden (nur bei zementhaltigen Mörteln)

Ein Produkt mit der Kennzeichnung C2TE/S1 ist damit ein Flexkleber mit Haftzugfestigkeit über 1 N/mm², verringertem Abrutschen, verlängerter offener Zeit und einer Durchbiegung über 2,5 mm. Die Kombination mehrerer Buchstaben erlaubt Ihnen eine präzise Abstimmung auf die Anforderungen des jeweiligen Verlegebereichs – etwa für Wandfliesen im Außenbereich oder schwere Natursteinplatten auf Holzuntergründen.

Dispersionskleber und Reaktionsharze: D und R

Neben zementhaltigen Mörteln (Typ C) regelt DIN EN 12004 auch Dispersionskleber (Typ D) und Reaktionsharzklebstoffe (Typ R). Dispersionskleber sind gebrauchsfertige Pasten, häufig auf Basis von Kunststoffdispersionen. Reaktionsharze – etwa auf Epoxidharz-Basis – bieten höchste chemische Beständigkeit und finden in Industriebauten oder in Bereichen mit extremer Beanspruchung Verwendung. Auch hier unterscheidet die Norm zwischen Normalanforderungen (1) und erhöhten Anforderungen (2). Die Zusatzeigenschaften T und E gelten analog.

CE-Kennzeichnung: Warenpass, keine Qualitätsgarantie

Mit dem CE-Zeichen bestätigt der Hersteller lediglich die Konformität seines Produkts mit den jeweiligen Euronormen. Eine CE-Kennzeichnung ist seit dem 01.04.2004 für Fliesenkleber gesetzlich vorgeschrieben und dient als „Warenpass" für den freien Warenverkehr in Europa. Mindestanforderung ist die Güte C1 nach Euronorm 12004. Bevor ein Produkt das CE-Zeichen erhält, ist eine Erstprüfung durch ein anerkanntes Prüfinstitut durchzuführen, das bestätigt, dass die geforderten Eigenschaften gemäß Euronorm auch erfüllt werden.

Praxis-Take-away: So wählen Sie den richtigen Kleber

Prüfen Sie vor der Materialbestellung drei Punkte: Erstens, welcher Untergrund liegt vor – starre Estriche verlangen weniger Flexibilität als Holzböden oder Gipskartonplatten. Zweitens, welche Fliesengröße und welches Gewicht – Großformat und Naturstein benötigen höhere Haftzugwerte (C2). Drittens, welche Umgebungsbedingungen – Außenbereich, Nassbereich oder beheizte Böden erfordern Frost-Tau-Wechsel-Beständigkeit und oft eine S1- oder S2-Klassifizierung. Detaillierte Hinweise zur optimalen Nutzung der Verarbeitungszeit finden Sie in unserem Artikel Wie nutzen Sie Verarbeitbarkeitszeit und Offenzeit von Fliesenklebern optimal?.