Eine nachträgliche Horizontalsperre verhindert das kapillare Aufsteigen von Feuchtigkeit im Mauerwerk und zählt zu den zentralen Sanierungsmaßnahmen gegen aufsteigende Feuchtigkeit in Bestandsgebäuden. In modernen Neubauten wird die Horizontalsperre als Bitumenbahn oder Kunststofffolie zwischen Fundament und aufgehendem Mauerwerk eingebaut. In Gebäuden, die vor 1900 errichtet wurden, fehlt diese Sperre in der Regel vollständig. Die Baumeister der Barockzeit kannten das Problem der aufsteigenden Feuchtigkeit, setzten aber auf andere Strategien: dicke Natursteinwände, die Feuchtigkeit aufnahmen und nach außen abgaben, und offenporige Kalk- oder Lehmputze, die als Puffer dienten.
Diese Strategien funktionierten, solange die Gebäude nicht innen verputzt, gedämmt oder mit dampfdichten Anstrichen versehen wurden. Erst im 20. Jahrhundert, als Innenwände mit Zementputz und dichten Farben behandelt wurden, konnte die Feuchtigkeit nicht mehr verdunsten. Das Ergebnis: feuchte Wände, abplatzender Putz und Salzausblühungen. Auch Nachkriegsbauten der 1950er- und 1960er-Jahre haben häufig keine wirksame Horizontalsperre mehr, weil die damals verwendeten Materialien wie Bitumenbahnen und Teerpappe nach Jahrzehnten versprödet und undicht geworden sind.
Welche Verfahren stehen zur Verfügung?
Für die nachträgliche Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit stehen drei grundsätzliche Verfahren zur Verfügung, die sich in Wirkungsweise, Aufwand und Eignung unterscheiden.
Bohrloch-Injektion
Das am weitesten verbreitete Verfahren ist die Bohrloch-Injektion. Bohrlöcher werden im Abstand von 10 bis 15 Zentimetern in einer Reihe knapp über Geländeoberkante gesetzt. Die Bohrungen werden leicht nach unten geneigt (5 bis 15 Grad), damit das Injektionsmittel in die Kapillaren fließt. Als Injektionsmittel kommen Silikonharze, Silikonmikroemulsionen, Acrylatgele oder Epoxidharze zum Einsatz. Die Injektion erfolgt entweder drucklos, wobei das Mittel durch Schwerkraft einsickert, oder unter leichtem Druck bei dichterem Mauerwerk.
Silikonmikroemulsionen haben sich bei porösen Sandsteinen bewährt, weil sie auch feine Kapillaren erreichen. Bei Ziegelmauerwerk funktionieren Silikonharze zuverlässig. Die Wirksamkeit hängt entscheidend von der gleichmäßigen Verteilung des Injektionsmittels ab. Bei inhomogenem Mauerwerk wie Bruchstein oder gemischtem Mauerwerk mit Hohlräumen ist die Verteilung schwer kontrollierbar. Seriöse Fachfirmen geben eine Gewährleistung von 10 bis 20 Jahren auf die Injektionsarbeiten.
Mauersägeverfahren
Beim Mauersägeverfahren wird das Mauerwerk abschnittsweise horizontal durchgesägt. In den Schnitt wird eine Edelstahlplatte, eine PE-Folie oder eine Bitumenschweißbahn als mechanische Sperre eingelegt. Die Abschnitte werden anschließend mit quellfähigem Mörtel verpresst, um die Statik sicherzustellen. Die mechanische Sperre ist physisch vorhanden und unabhängig von der Mauerwerksstruktur wirksam. Die Haltbarkeit ist praktisch unbegrenzt. Das Verfahren ist jedoch aufwendig, teuer und bei denkmalgeschützten Gebäuden oft nicht genehmigungsfähig. Bei Bruchsteinmauerwerk ohne durchgehende Lagerfugen ist es technisch nicht durchführbar.
Ramm- oder Schlagverfahren mit Edelstahlblechen
Gewellte Edelstahlbleche werden maschinell in die Lagerfuge des Mauerwerks eingeschlagen oder eingerammt. Sie überlappen sich und bilden eine durchgehende Sperrschicht. Der Vorteil: Das Verfahren ist schnell, benötigt keine Trocknungszeit des Injektionsmittels und ist dauerhaft. Der Nachteil: Es funktioniert nur bei Mauerwerk mit durchgehenden Lagerfugen. Bei Bruchsteinmauerwerk oder gemischten Mauerwerkstrukturen ist es nicht anwendbar.
Welche Injektionsstoffe eignen sich?
Das Injektionsmittel hat die Aufgabe, die kapillare Leitfähigkeit des Mauerwerks zu unterbinden. Als Injektionsstoffe eignen sich, je nach Durchfeuchtungsgrad, Alkalisilikate, Silikonemulsionen oder Zementschlämmen. Um das Material zu injizieren, wird eine geeignete Sperrzone festgelegt, in die pro laufenden Meter etwa vier Injektionslöcher mit leichtem Neigungswinkel gebohrt werden. Das Injektionsmittel ist mittels anhaltenden Drucks so lange einzupressen, bis das Mauerwerk vollständig getränkt ist.
Ist das Material ausgehärtet, kann nach oben kein Feuchtigkeitstransport mehr stattfinden, sodass darüber liegende Wanddurchfeuchtungen trocknen können. Erst nach einem Zeitraum von mehreren Monaten und sorgfältiger Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahme kann das Mauerwerk wieder verputzt werden. Die Wahl des Injektionsstoffs hängt stark vom Baustoff ab: Bei Sandsteinbauten ist die Kapillarwirkung besonders hoch und erfordert angepasste Verfahren.
Grenzen der nachträglichen Horizontalsperre
Die Wirksamkeit der nachträglichen Horizontalsperre hängt von der Homogenität des Mauerwerks ab. Bei Bruchsteinmauerwerk ohne durchgehende Lagerfugen ist die gleichmäßige Verteilung von Injektionsmitteln nicht gewährleistet. Auch Hohlräume im Mauerwerk beeinträchtigen die Wirkung. Nach dem Einbau einer Horizontalsperre dauert die Mauerwerks-Trocknung Monate bis Jahre, abhängig von Wandstärke, Durchfeuchtungsgrad und Raumklima. Eine kapillarbrechende Schicht kann als zusätzliche Maßnahme die Feuchtigkeit aus dem Baugrund stoppen.
Die Sanierung feuchter Wände erfordert neben der Horizontalsperre häufig auch den Auftrag von Sanierputz auf die betroffenen Wandflächen. Dieser übernimmt eine Pufferfunktion und ermöglicht das Verdunsten von Restfeuchtigkeit, ohne dass Salzausblühungen an der Oberfläche auftreten. Die Kombination aus wirksamer Horizontalsperre und geeignetem Putzaufbau bildet die Grundlage für eine dauerhafte Sanierung von feuchtebelasteten Altbauten.
