Die ÖNORM EN 16516 legt ein Prüfkammerverfahren zur Bestimmung der Emissionen flüchtiger und schwerflüchtiger organischer Verbindungen (VOC und SVOC) aus Bauprodukten fest. Emissionen werden in der Regel 28 Tage nach der Installation repräsentativer Prüfkörper in der Prüfkammer gemessen. Die Bedingungen in der Prüfkammer bleiben während des gesamten Prüfzeitraums konstant: Temperatur 23 ± 1 °C, relative Luftfeuchtigkeit 50 ± 5 %, Luftwechselrate 0,5 pro Stunde und eine Luftgeschwindigkeit über der Probe von 0,1–0,3 m/s.

Welche Bauprodukte können Sie nach EN 16516 prüfen?

Das Verfahren eignet sich für eine breite Palette von Bauprodukten, die in Innenräumen verwendet werden. Dazu gehören:

  • Bodenbeläge aller Art
  • Wandverkleidungen
  • Türen und Fenster
  • Dichtstoffe und Klebstoffe
  • Beschichtungen und Lacke

Der Belegungsfaktor – das Verhältnis der exponierten Prüfprobenfläche zum Leerraumvolumen der Kammer – wird in Abhängigkeit vom Produkttyp und den vorgesehenen Einsatzbedingungen festgelegt. Diese normierte Vorgehensweise ermöglicht es Ihnen, verschiedene Produkte vergleichbar zu bewerten.

Wie funktioniert die Prüfung im Detail?

Nach Ablauf der 28-tägigen Prüfperiode wird Luft aus der Kammer mit Adsorptionsröhrchen entnommen und mittels thermischer Desorptions-GC-MS (TD-GC/MS) analysiert. Diese Methode identifiziert und quantifiziert Zielverbindungen. Die Ergebnisse umfassen:

  • Individuelle Konzentrationen identifizierter Zielverbindungen, einschließlich bekannter krebserzeugender VOCs
  • Identifizierte Nicht-Zielverbindungen sowie nicht identifizierte Verbindungen, angegeben als Toluol-Äquivalente
  • Gesamt-VOC (TVOC), berechnet als Summe aller Substanzen (identifizierte und nicht identifizierte), die zwischen n-Hexan und n-Hexadecan eluieren
  • Gesamt-SVOC (TSVOC), berechnet als Summe aller Verbindungen, die nach n-Hexadecan bis einschließlich n-Docosan eluieren

Diese detaillierte Aufschlüsselung gibt Ihnen Aufschluss über die tatsächliche Emissionsbelastung, die von einem Produkt ausgeht – ein zentrales Kriterium für die Innenraumluftqualität.

Welche Grenzwerte gelten für VOC-Emissionen?

Zur Bewertung der Konformität können Sie die gemessenen VOC-Gehalte mit Grenzwerten vergleichen, die in nationalen Emissionsnormen oder Nachhaltigkeitszertifizierungen festgelegt sind. Dazu zählen das deutsche AgBB-Schema, die französische ANSES, die finnische M1-Emissionsklassifizierung oder das Nordic Swan-Umweltzeichen. Je nach Regelwerk gelten Höchstgrenzen für TVOC, die Summe krebserzeugender VOC und einzelne Verbindungen wie Formaldehyd.

Die Ergebnisse für einzelne Verbindungen können Sie auch mit EU-LCI-Werten vergleichen – harmonisierten gesundheitsbasierten Referenzwerten auf Grundlage des Konzepts der „niedrigsten interessierenden Konzentration". Diese EU-weite Initiative erleichtert Ihnen die Einordnung von Messwerten über nationale Grenzen hinweg.

Was bedeutet das für Ihre Produktauswahl?

Wenn Sie Wärmedämmverbundsysteme, Estriche oder Epoxidharz-Beschichtungen spezifizieren, sollten Sie gezielt nach Prüfberichten gemäß ÖNORM EN 16516 fragen. Produkte, die niedrige TVOC-Werte und keine kritischen Einzelstoffe nachweisen, minimieren das Risiko von Geruchsbelästigungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Achten Sie dabei auf die Einhaltung der für Ihr Projekt geltenden nationalen oder projektspezifischen Grenzwerte.

Die Norm bietet Ihnen eine verlässliche Grundlage, um Emissionen transparent zu dokumentieren und die Anforderungen von DGNB-Zertifizierungen oder anderen Nachhaltigkeitslabels zu erfüllen. Weitere Informationen zu Emissionsanforderungen und Prüfverfahren finden Sie im Artikel VOC-Emissionen aus Bauprodukten: Grenzwerte, Prüfnormen und Deklarationspflichten.

Praxis-Tipp: Prüfberichte frühzeitig anfordern

Fordern Sie Prüfberichte bereits in der Ausschreibungsphase an, um sicherzustellen, dass die gewählten Produkte die projektspezifischen Anforderungen erfüllen. Prüfen Sie, ob der Bericht das geplante Anwendungsszenario abdeckt – insbesondere bei Produkten, die in mehreren Varianten oder mit unterschiedlichen Verarbeitungsbedingungen eingesetzt werden. Die 28-tägige Prüfdauer spiegelt die Emissionsentwicklung nach der Verlegung realistisch wider und gibt Ihnen eine solide Entscheidungsgrundlage für die Materialwahl.