Kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (PMBC) sind Bitumen-basierte, polymermodifizierte Abdichtungsmaterialien für erdberührte Bauteile aus Beton und Mauerwerk. Sie schützen gegen Feuchtigkeit und drückendes Wasser – und bieten eine deutlich höhere Rissüberbrückungsfähigkeit als mineralische Dichtungsschlämmen. Seit dem 1. August 2014 sind die Anforderungen europaweit in der DIN EN 15814 harmonisiert. Jedes Produkt trägt seitdem eine CE-Kennzeichnung, und die Kurzbezeichnung lautet nun PMBC (Polymer modified bituminous thick coating) statt der früher gebräuchlichen Abkürzung KMB.

Zwei Produkttypen: 1K und 2K – wo liegt der Unterschied?

Auf der Baustelle stehen Ihnen grundsätzlich zwei Varianten zur Verfügung: einkomponentige (1K) und zweikomponentige (2K) Bitumendickbeschichtungen. Die Wahl des Systems entscheidet über Verarbeitungsablauf, Trocknungszeit und Einsatzgebiet.

  • 1K-Bitumen sind gebrauchsfertig. Sie öffnen den Eimer und verarbeiten das Material direkt. Die Trocknung erfolgt rein physikalisch durch Wasserabgabe an die Umgebungsluft – das dauert entsprechend länger.
  • 2K-Bitumen bestehen aus einer Bitumenkomponente und einem Härter, der Zement sowie weitere Zuschläge enthält. Sie rühren beide Komponenten im Herstellerverhältnis an. Die Trocknung verläuft chemisch und physikalisch; schnelle Varianten benötigen mindestens 48 Stunden, einzelne Produkte schaffen sogar 24 Stunden und ermöglichen damit eine reaktive Trocknung.

Der größte Unterschied: 2K-Bitumen trocknen deutlich schneller und werden bevorzugt zur Verklebung von Dämmplatten eingesetzt. 1K-Bitumen kommen dagegen bei Schutz- und Drainplatten zum Einsatz.

Rissüberbrückung: Wo PMBC mineralischen Dichtungsschlämmen überlegen sind

Ein entscheidender Vorteil gegenüber Bauchemie-Produkten auf Zementbasis: Bitumendickbeschichtungen überbrücken Rissbreitenänderungen von bis zu 1,0 mm in Beton oder Mauerwerk. Rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen erreichen zum Vergleich lediglich ≤ 0,2 mm. Gerade bei Stahlbeton-Kellern mit begrenztem Rissrisiko bieten PMBC somit eine robuste Reserve.

Normen und Regelwerke: Was gilt aktuell?

Die Anwendung von PMBC wird in mehreren Regelwerken beschrieben:

  • DIN 18533-3 (erschienen 1. Juli 2017): Abdichtung erdberührter Bauteile
  • Richtlinie für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit PMBC (Dezember 2018), kurz PMBC-Richtlinie
  • WTA-Merkblatt 4-6: Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile

Damit sind Neubau und Bestandssanierung vollständig geregelt. Wer fachgerecht verarbeiten möchte, kann eine Qualifizierung über einen PMBC-Lehrgang (früher KMB-Schein) erwerben. Nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung erhalten Sie den entsprechenden Nachweis. Informationen dazu finden Sie über das Weiterbildungsportal des DHBV Deutscher Holz- und Bautenschutzbund.

Verarbeitungstipps: Untergrundvorbereitung und Auftrag

Vor der Verarbeitung müssen Sie zwischen anionischen und kationischen Bitumen unterscheiden. Kationische Bitumen benötigen keinen Voranstrich, sind aber seltener im Einsatz. Anionische Bitumen – die gängigere Variante – erfordern dagegen einen Voranstrich zur Untergrundvorbereitung. Achten Sie darauf, dass der Untergrund tragfähig, sauber und trocken ist.

Die Applikation erfolgt je nach Fläche mit Zahnkelle oder maschinell. Bei größeren Objekten lohnt sich der Einsatz geeigneter Maschinentechnik: Material in den Trichter füllen, gleichmäßig auftragen und anschließend die Schichtdickenmessung frisch nach dem Auftrag durchführen, um die geforderte Auftragsdicke sicherzustellen.

Wirtschaftlichkeit auf der Baustelle

2K-Produkte sparen Zeit: Während 1K-Bitumen über Tage aushärten, können Sie mit schnellen 2K-Varianten bereits nach 24 bis 48 Stunden weiterarbeiten – etwa die Dämmung aufbringen oder eine Schutzschicht anbringen. Das reduziert Standzeiten und verbessert die Bauablaufplanung, besonders bei Tiefgaragenabdichtungen oder Kellersanierungen unter Zeitdruck.

Praxis-Take-away

Kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen sind seit 2014 europaweit normiert und bieten eine leistungsfähige Lösung für die Abdichtung erdberührter Bauteile. Die Wahl zwischen 1K und 2K entscheidet über Trocknungszeit und Verklebungseigenschaften. Achten Sie auf den Voranstrich bei anionischen Produkten, halten Sie das Mischungsverhältnis bei 2K-Systemen exakt ein und kontrollieren Sie die Schichtdicke unmittelbar nach dem Auftrag. Eine Qualifizierung über den PMBC-Lehrgang dokumentiert Ihre Fachkompetenz und sichert die Abdichtungsqualität dauerhaft ab.