Flüssigkunststoff-Abdichtungen sind ein- oder mehrkomponentige Materialien, die in flüssigem Zustand aufgetragen werden und nach der Aushärtung eine funktionelle Abdichtung gegen Feuchtigkeit und Wasser bilden. Die vollflächige Haftung auf dem Untergrund sowie die mechanische, thermische und chemische Beständigkeit machen diese Systeme zu einer langzeitsicheren Lösung für den Schutz der Bausubstanz. Im Gegensatz zu bahnenförmigen Abdichtungen entstehen keine Fugen oder Nähte, die potenzielle Schwachstellen darstellen könnten.

Was sind Flüssigkunststoff-Abdichtungen?

Als Bauwerksabdichtung wird Flüssigkunststoff gegen Feuchtigkeit, nicht drückendes Wasser und aufstauendes Sickerwasser eingesetzt. Die Verarbeitung erfolgt durch Auftrag mit Pinsel oder Rolle, wodurch sich das Material perfekt an jede Form und Struktur anpasst. Nach der Aushärtungszeit entsteht eine fugenlose, flexible Abdichtungsschicht, die UV-beständig, witterungsbeständig und hydrolysebeständig ist.

Die Systeme eignen sich besonders für komplizierte Formen und Anschlüsse an andere Bauteile – Bereiche, in denen bahnenförmige Abdichtungen an ihre Grenzen stoßen. Die flexible Anwendungsmöglichkeit ermöglicht eine effektive Barriere gegen eindringendes Wasser bei Neubau und Sanierung gleichermaßen.

Welche Einsatzbereiche decken Flüssigkunststoff-Systeme ab?

Die Anwendungsbereiche von Flüssigkunststoff-Abdichtungen sind vielfältig und reichen von horizontalen bis zu vertikalen Bauteilen:

  • Flachdächer und Dachabdichtung: Besonders bei Durchdringungen durch Photovoltaik-, Klima- oder Wärmetauschanlagen sowie bei provisorischen Abdichtungen während Umbau- oder Sanierungsarbeiten
  • Balkone und Terrassen: Fugenloses Abdichtungssystem unter Belägen mit hoher Bewegungsaufnahme
  • Nassräume: Fliesen- und Belagsuntergründe in Bädern und Duschen, die regelmäßig Wasser ausgesetzt sind
  • Tiefgaragen und Kellerbereiche: Schutz unterirdischer Räumlichkeiten gegen drückende Feuchtigkeit
  • Portal-, Fenster- und Türabdichtungen: Nahtlose Übergänge im Sockelbereich gegen Schlagregen
  • Brücken und Parkdecks: Abdichtung hochbeanspruchter Verkehrsflächen
  • Schwimmbäder und Löschwasserbehälter: Wasserdichte Beschichtungen für Wasserbauwerke

Welche Hersteller bieten Flüssigkunststoff-Systeme an?

Im österreichischen Markt sind mehrere Anbieter mit unterschiedlichen Systemtechnologien vertreten. Sika bietet mit der Sikalastic®-Produktlinie PMMA-basierte Flüssigkunststoffabdichtungen an. Das System Sikalastic® Rapid-722 ist als zweikomponentige, schnellhärtende und lösemittelfreie Formulierung verfügbar. Für Detail-, An- und Abschlussanwendungen existiert die Variante Sikalastic® Rapid-722 Detail. Zum Systemaufbau gehören spezifische Grundierungen für verschiedene Untergründe – mineralische Substrate, Metall, Glas und FPO-Kunststoff-Abdichtungsbahnen – sowie Verstärkungsvliese und Formteile für Ecken und Durchdringungen.

Weitere Anbieter im österreichischen Markt sind interplastics Trading and Development GmbH und SMARTplast Handels GmbH, beide mit Sitz in Kottingbrunn. Die Unternehmen vertreiben ein- und mehrkomponentige Flüssigkunststoffsysteme für den Ingenieurbau und bieten technische Beratung zur Systemauswahl.

Wie unterscheiden sich Flüssigkunststoffe von anderen Abdichtungssystemen?

Im Vergleich zu klassischen Abdichtungstechnologien wie Bitumen-Dickbeschichtungen, Bitumenbahnen oder Kunststoffdichtungsbahnen zeichnen sich Flüssigkunststoffe durch ihre Anpassungsfähigkeit aus. Während bahnenförmige Systeme wie Sikaplan® WT oder Betonverbundabdichtungen wie SikaProof® definierte Geometrien erfordern, ermöglicht die flüssige Applikation eine nahtlose Abdichtung selbst bei komplexen dreidimensionalen Formen.

Mineralische Abdichtungssysteme wie zementöse Abdichtungsschlämmen bieten zwar Diffusionsoffenheit, erreichen jedoch nicht die Rissüberbrückungsfähigkeit moderner Flüssigkunststoffe. Die Kombination aus Elastizität und vollflächiger Verklebung mit dem Untergrund macht Flüssigkunststoffsysteme besonders für Bereiche mit hoher thermischer oder mechanischer Beanspruchung geeignet.

Worauf ist bei der Verarbeitung zu achten?

Um eine zuverlässige und nachhaltige Abdichtung zu erzielen, sind sowohl die Verwendung des richtigen Materials als auch eine fachgerechte Verarbeitung notwendig. Der Untergrund muss tragfähig, trocken und frei von trennenden Substanzen sein. Je nach Substrat kommen spezielle Grundierungen zum Einsatz – PMMA-Grundierungen für mineralische Untergründe, Spezialprimer für metallische Flächen oder Glasanschlüsse.

Die Verstärkung mit Spezialkunstfaservliesen ist insbesondere an hochbeanspruchten Stellen wie Ecken, Kanten und Durchdringungen erforderlich. Formteile für Innenecken, Außenecken und Rohrmanschetten erleichtern die normgerechte Ausbildung von Detailpunkten. Die schnelle Härtung einiger Systeme – etwa der PMMA-basierten Formulierungen – ermöglicht kurze Bauzeiten, erfordert jedoch präzise Planung der Arbeitsabläufe.

Wie fügen sich Flüssigkunststoffe in die Bauwerksabdichtung ein?

Flüssigkunststoff-Abdichtungen sind Teil eines umfassenden Portfolios an Bauwerksabdichtungssystemen, die je nach Beanspruchungssituation, Untergrund und bauphysikalischen Anforderungen ausgewählt werden. Sie ergänzen Betonverbundabdichtungen bei komplexen Geometrien, ersetzen Bahnen bei provisorischen Abdichtungen und bieten Alternativen zu mineralischen Systemen bei erhöhten Anforderungen an Rissüberbrückung und chemische Beständigkeit. Die Zertifizierung in höchsten Leistungskategorien gewährleistet die Eignung für anspruchsvolle Einsatzbereiche im Hoch- und Tiefbau.