Chloridinduzierte Korrosion ist eine der häufigsten Schadensursachen bei Stahlbetonbauwerken. Chloridionen dringen über Tausalze, Meerwasser oder industrielle Quellen in den Porenraum des Betons ein und heben ab einer materialspezifischen Schwelle die schützende Passivschicht des Bewehrungsstahls lokal auf. Die Folge ist Bewehrungskorrosion, häufig in Form von Lochfraß, mit Rissen, Abplatzungen und Tragfähigkeitsverlusten.
Unter Chloridbelastung versteht man die Anwesenheit und das Eindringen von Chloridionen in den Porenraum des Betons bis in den Bereich der Bewehrung. Ab einem chloridkritischen Wert wird die schützende Passivschicht des Stahls lokal aufgehoben, es kommt zu chloridinduzierter Bewehrungskorrosion. Typische Quellen sind Tausalze, Meerwasser und industrielle Chloride. Chloridbelastung ist abzugrenzen von Karbonatisierung, beide Mechanismen können sich jedoch überlagern. Fachlich ist zwischen frei verfügbaren und chemisch gebundenen Chloriden zu unterscheiden, da vor allem die freien Anteile zur Depassivierung beitragen.
Chloride gelangen über mehrere Mechanismen in den Beton: Spritzwasser und Aerosole bewirken direkte Benetzung der Oberfläche mit chloridhaltigen Lösungen. Diffusion ermöglicht konzentrationsgetriebenen Transport durch das Porensystem. Kapillartransport führt zum Saugen von Wasser in ungesättigte Poren. Permeation bewirkt druckgetriebenen Flüssigkeitstransport. Die Eindringtiefe hängt von Porosität, Wasserzementwert, Feuchte, Temperatur und der Kontaktzeit mit chloridhaltigen Medien ab.
Im Bereich der Bewehrung führt die lokale Anreicherung von Chloriden zur Depassivierung des Stahls. Es entstehen korrosive Mikromilieus, die zu Lochfraß und quer verlaufenden Rissen führen. Besonders gefährdet sind Zonen mit geringer Betondeckung, Rissen, Arbeitsfugen und Bauteilbereichen mit häufiger Befeuchtung und Trocknung.
Um chloridinduzierte Korrosion zu verhindern oder zu verzögern, stehen mehrere Schutzstrategien zur Verfügung: Eine dichte Betonrezeptur mit niedrigem Wasserzementwert und optimierter Packungsdichte verlangsamt den Chloridtransport. Ausreichende Betondeckung verlängert die Zeit bis zum Erreichen kritischer Chloridkonzentrationen. Oberflächenschutzsysteme wie Abdichtungen, Beschichtungen oder Imprägnierungen vermindern das Eindringen von Wasser und Chloriden. Die Instandsetzung chloridbelasteter Zonen umfasst Abtrag kontaminierter Bereiche, Reinigung oder Austausch der Bewehrung und Reprofilierung mit chloridfreiem Mörtel.


