Verdunstungsschutz bezeichnet Maßnahmen und Mittel, die das vorzeitige Austrocknen der Betonoberfläche verhindern. Die ÖNORM B 4710-1 legt als nationale Umsetzung der europäischen Betonnorm ÖNORM EN 206 fest, wer für die Nachbehandlung zuständig ist und welche Anforderungen an die Verarbeitung gelten.
Beton erhärtet durch chemische Reaktion von Zement und Wasser – die Hydratation. Dieser Prozess benötigt ausreichend Feuchtigkeit. Verdunstet das Wasser zu schnell von der Oberfläche, stoppt die Reaktion lokal und die Zementmatrix bleibt unvollständig hydratisiert.
Die ÖNORM B 4710-1 regelt die Anforderungen an Betonzusammensetzungen und definiert die Verantwortung für Planer, Hersteller und Verwender: Der Planer legt die Anforderungen fest, der Hersteller sorgt für die Qualitätssicherung der Produktion, und der Verwender trägt die Verantwortung für das fachgerechte Einbringen und die Nachbehandlung des Betons.
Die Norm beschreibt Expositionsklassen, die sich auf die Umgebungsbedingungen beziehen und die wesentlichen Anforderungen an die Zusammensetzung des Betons definieren. Für spezielle Betone – etwa solche mit Hochofenzement CEM III – sind verlängerte Nachbehandlungsdauern erforderlich, in der Regel mindestens doppelt so lange wie bei Standardbeton mit Portlandzement CEM I.
Hochofenzemente mit hohem Hüttensand-Anteil erhärten deutlich langsamer als reine Portlandzemente. Die Festigkeitsentwicklung verläuft träger – besonders bei niedrigen Temperaturen. Das bedeutet: längere Ausschalfristen, längere Nachbehandlung und verzögerter Baufortschritt.
Die Nachbehandlungsdauer hängt von der Druckfestigkeitsklasse, der Zementart, der Temperatur und der Expositionsklasse ab.
Dokumentieren Sie Beginn, Dauer und Art der Nachbehandlung – diese Angaben sind für spätere Gewährleistungsfragen relevant.


