Beton lässt sich in seinen Eigenschaften gezielt steuern – dafür sorgen Betonzusatzmittel. Diese werden dem Frischbeton in geringen Mengen zugesetzt, um Verarbeitbarkeit, Festigkeitsentwicklung oder Dauerhaftigkeit zu optimieren. Die ÖNORM B 4710-1 regelt gemeinsam mit der europäischen Norm ÖNORM EN 934-2 die Anforderungen an diese Stoffe und definiert, welche Wirkungsweisen zulässig sind und wie sie eingesetzt werden dürfen.
Was regelt die ÖNORM B 4710-1 für Betonzusatzmittel?
Die ÖNORM B 4710-1:2018 ist die nationale Umsetzung der europäischen Betonnorm ÖNORM EN 206 für Normal- und Schwerbeton. Sie legt Anforderungen an Betonzusammensetzungen, Herstellung, Verwendung und Konformitätsnachweis fest. Ein zentraler Bestandteil: die Regelung von Betonzusatzmitteln und deren Einsatz in Abhängigkeit von Expositionsklassen.
Die Norm definiert Expositionsklassen, die sich auf Umgebungsbedingungen beziehen. Diese klassifizieren, welchen Angriffen der Beton ausgesetzt ist – etwa Frost-Tauwechsel, chemische Einwirkungen oder Carbonatisierung. Je nach Expositionsklasse gelten Grenzwerte für die Zusammensetzung, darunter auch für den Einsatz von Zusatzmitteln.
Welche Typen von Betonzusatzmitteln gibt es?
Die ÖNORM EN 934-2 unterscheidet Betonzusatzmittel nach ihrer Hauptwirkung. Zu den wichtigsten Typen gehören:
- Fließmittel: Verbessern die Verarbeitbarkeit, ohne den Wassergehalt zu erhöhen. Sie senken die Viskosität des Frischbetons und ermöglichen höhere Konsistenzklassen.
- Verzögerer: Verlangsamen die Anfangserhärtung, etwa bei hohen Temperaturen oder langen Transportwegen.
- Beschleuniger: Verkürzen die Erhärtungszeit und ermöglichen früheres Ausschalen oder höhere Frühfestigkeiten.
- Luftporenbildner: Erzeugen ein feines Luftporensystem im Beton, das den Widerstand gegen Frost-Tauwechsel erhöht.
- Dichtungsmittel: Reduzieren die Wasserdurchlässigkeit des Betons.
Wie wirken Betonzusatzmittel im Frisch- und Festbeton?
Die Wirkungsweise von Betonzusatzmitteln basiert auf chemischen oder physikalischen Prozessen. Fließmittel zum Beispiel umhüllen die Zementkörner mit einem dünnen Film und verhindern deren Verklumpung – das senkt die innere Reibung und erleichtert das Verarbeiten. Verzögerer bremsen die Hydratation des Zements, indem sie die Löslichkeit von Calciumoxid herabsetzen oder Schutzschichten um die Zementkörner bilden.
Luftporenbildner erzeugen mikroskopisch kleine Hohlräume im Mörtel. Diese dienen als Expansionsraum für gefrierendes Wasser und schützen so die Zementmatrix vor Frostschäden. Die Größe, Verteilung und Anzahl der Luftporen sind dabei entscheidend für die Wirksamkeit.
Welche Anforderungen stellt die ÖNORM EN 934-2?
Die ÖNORM EN 934-2 legt Leistungsanforderungen für Betonzusatzmittel fest. Sie definiert Prüfverfahren, mit denen Hersteller nachweisen müssen, dass ihre Produkte die geforderten Eigenschaften erfüllen. Dazu gehören etwa:
- Mindest- oder Höchstwerte für die Veränderung der Konsistenz
- Grenzwerte für den Einfluss auf die Druckfestigkeit nach 1, 7 und 28 Tagen
- Anforderungen an den Luftporengehalt bei luftporenbildenden Zusatzmitteln
- Grenzwerte für den Chloridgehalt, um Bewehrungskorrosion zu vermeiden
Zusatzmittel müssen außerdem mit verschiedenen Zementtypen kompatibel sein und dürfen die Dauerhaftigkeit des Betons nicht negativ beeinflussen.
Wie setzen Sie Betonzusatzmittel in der Praxis ein?
Die Dosierung von Betonzusatzmittel erfolgt üblicherweise in Prozent bezogen auf die Zementmasse. Typische Werte liegen zwischen 0,2 % und 2,0 %, je nach Typ und gewünschter Wirkung. Eine Überdosierung kann unerwünschte Nebeneffekte haben – etwa starke Verzögerung der Erhärtung oder Entmischung.
Beachten Sie bei der Verarbeitung: Fließmittel entfalten ihre Wirkung erst nach dem Zugabezeitpunkt. Geben Sie das Mittel daher nicht zu früh zu. Bei hohen Außentemperaturen können Verzögerer sinnvoll sein, um die Verarbeitungszeit zu verlängern. Bei niedrigen Temperaturen oder engem Bauablauf helfen Beschleuniger, die Druckfestigkeitsklasse früher zu erreichen.
Wie prüfen Sie die Konformität von Betonzusatzmitteln?
Die ÖNORM B 4710-1 fordert einen Konformitätsnachweis für alle Ausgangsstoffe, also auch für Betonzusatzmittel. Hersteller müssen nachweisen, dass ihre Produkte die Anforderungen der ÖNORM EN 934-2 erfüllen. Dazu gehören werkseigene Produktionskontrollen und regelmäßige Fremdprüfungen durch akkreditierte Labore.
Prüfen Sie als Verarbeiter: Liegt eine CE-Kennzeichnung vor? Enthält das technische Datenblatt Angaben zu Dosierung, Wirkungsweise und Kompatibilität mit verschiedenen Zementtypen? Nur mit vollständiger Dokumentation lässt sich die Konformität des fertigen Betons sicherstellen.
Praxis-Take-away: Worauf Sie achten sollten
Betonzusatzmittel sind ein unverzichtbares Werkzeug, um Transportbeton oder Baustellenbeton an spezifische Anforderungen anzupassen. Die ÖNORM B 4710-1 und EN 934-2 geben einen klaren Rahmen vor. Achten Sie auf korrekte Dosierung, die Kompatibilität mit dem verwendeten Zement und die Einhaltung der Expositionsklassen. So erzielen Sie dauerhaften, normenkonformen Beton – auch unter schwierigen Bedingungen.
Weitere Informationen zu normativen Anforderungen finden Sie in unseren Artikeln zu Hydratationswärme von Beton und Carbonatisierung von Beton.


