Ein Holzhochhaus ist ein mehrgeschossiges Wohngebäude, das tragende Bauteile aus Massivholzkomponenten wie Brettsperrholz (BSP/CLT) nutzt und damit den modernen Geschosswohnungsbau mit Holzbauweise verbindet. Die Konstruktion erfolgt typischerweise hybrid, d. h. es werden Holzelemente mit Stahlverbindern, Aussteifungselementen und häufig auch Betonkomponenten kombiniert.
Konstruktive Anforderungen
Holzhochhäuser müssen nach geltendem Baurecht (GEG, Bauordnungen der Länder) bemessen und ausgebildet werden. In Österreich regelt die OIB-Richtlinie 2 die Anforderungen; hier liegt die Grenzwertigkeit für Holzbau ohne weitere Brandschutzvorkehrungen bei 22 m Gebäudehöhe. Das HoHo Wien (Seestadt Aspern, fertiggestellt 2019) mit 84 m Höhe und 24 Geschossen überschreitet diese Schwelle deutlich und demonstriert technische Machbarkeit durch hybride Holz-Beton-Konstruktionen mit einem Holzanteil von 75 % bezogen auf tragende Bauteile.
Für Holz-Beton-Verbindungen kommt die Bemessung nach Eurocode 5 zur Anwendung. Verbindungselemente (Dübel, Ankerstangen) müssen für definierte Verankerungstiefen ausgelegt sein; typische Werte liegen bei mindestens 80 mm Eindringtiefe in Beton oder Holz.
Dämm- und Aussteifungssysteme
Im mehrgeschossigen Holzbau kommen diffusionsoffene Dämmsysteme mit hoher Rohdichte zum Einsatz, typischerweise 160–270 kg/m³. Diese fungieren zugleich als aussteifende Elemente in Holzrahmenbau-Konstruktionen und unterstützen die Tragfähigkeit unter Last und Winddruck.
Nachhaltigkeit und Materialwahl
Der CO₂-Fußabdruck von Holzhochhäusern wird maßgeblich durch Stahlverbinder und Aussteifungselemente beeinflusst. Konventionelle Stahlproduktion verursacht etwa 1,85 Tonnen CO₂ pro Tonne Rohstahl; wasserstoffgestützte Produktionsrouten reduzieren diesen Wert auf unter 0,05 Tonnen pro Tonne. Die Wahl fossilfreier oder CO₂-armer Stähle wirkt sich direkt auf die Umweltproduktdeklarationen (EPD) des Gesamtgebäudes aus und beeinflusst die Einhaltung von Kohlenstoffgrenzausgleichsmechanismen.
Bedeutung in der Branchenentwicklung
Holzhochhäuser prägen derzeit die europäische Bauordnungspraxis und gelten als Schlüsselmarkt für spezialisierte Befestigungstechnik und Hybridbauweisen. Die Entwicklungen rund um Brettsperrholz, Brettschichtholz und Massivholz im Vergleich zeigen, dass Wien sich 2026 als Zentrum europäischer Holzhochhaus-Innovation etabliert. Gleichzeitig verdeutlicht die Erweiterung von Bemessungsmodulen für Holz-Beton-Verbindungen nach Eurocode 5, dass die Befestigungstechnik-Branche gezielt auf diesen wachsenden Markt reagiert. Beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich, dass fossilfreie Stahlproduktion die Umweltbilanz stahlintensiver Holzhochhäuser grundlegend verbessern kann.
