Ein bedeutsames Signal für die Dekarbonisierung des europäischen Stahlsektors: Der schwedische Hersteller SSAB erhielt 20 Millionen Euro EU-Förderung für ein neues Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Die Förderung ist Teil der umfassenderen Strategie der EU, die Schwerindustrie bis 2050 zur Klimaneutralität zu führen, wobei grüner Stahl eine zentrale Rolle bei der Erreichung von Klimazielen in der gesamten Wertschöpfungskette des Bauwesens spielt.

SSAB verfolgt seit 2016 über seine HYBRIT-Initiative die Beseitigung fossiler Brennstoffe in der Stahlproduktion, die kohlebasierte Hochöfen durch wasserstoffgestützte direkte Reduktion in Kombination mit Lichtbogenöfen ersetzt. Das Unternehmen lieferte 2021 seinen ersten fossilfreien Stahl an Kunden und kündigte eine kommerzielle Produktion im großen Maßstab für 2026 an. Die neue EU-Förderung soll die Entwicklung fortschrittlicher Stahlsorten für anspruchsvolle Tragwerksanwendungen beschleunigen, einschließlich hochfestem Baustahl für die Verwendung in mehrstöckigen Gebäuden und Infrastrukturprojekten.

Für Architekten und Tragwerksplaner ist die strategische Relevanz klar: Stahl ist für etwa 7–9% der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich, wobei die konventionelle Hochofenproduktion etwa 1,85 Tonnen CO₂ pro Tonne Rohstahl ausstößt. Wasserstoffgestützte Produktionsrouten können diesen Wert auf unter 0,05 Tonnen pro Tonne reduzieren und verändern grundlegend den CO₂-Fußabdruck stahlintensiver Gebäudetypen. Projekte wie Holzhochhäuser kombinieren häufig Konstruktionsholz mit Stahlverbindern und Aussteifungselementen – die Beschaffung von CO₂-armem Stahl für diese Komponenten beeinflusst direkt die Umweltproduktdeklarationen des Gesamtgebäudes und die Einhaltung entstehender Kohlenstoffgrenzausgleichsmechanismen wie CBAM.

Das von der EU finanzierte F&E-Programm von SSAB soll sich voraussichtlich auf drei Kernbereiche konzentrieren: Skalierung der wasserstoffgestützte direkten Reduktion auf industrielle Volumen, Entwicklung anwendungsspezifischer Stahlsorten mit optimierten mechanischen Eigenschaften und Etablierung geschlossener Materialkreisläufe für die Rückgewinnung von Stahlabfällen. Dies entspricht laufenden Zusammenarbeitsbemühungen zwischen Stahl- und Zementherstellern: SSAB kooperierte kürzlich mit Heidelberg Materials, um die Verwendung von Stahlschlacke als Zementrohstoff zu erproben und einen zirkulären Weg zwischen zwei kohlenstoffintensiven Industrien zu schaffen.

Planer sollten Zertifizierungsfristen und Materialverfügbarkeit genau überwachen. Während Pilotprojekte die technische Machbarkeit bestätigen, bleiben Volumenproduktion und Kostenparität mit konventionellem Stahl kritische Hindernisse. Mit zunehmend stärkerem regulatorischem Druck – insbesondere durch nationale CO₂-Preisgestaltung und EU-Taxonomieanforderungen – gewinnt der Übergang zu fossilfreiem Stahl über europäische Baumärkte hinweg irreversibel an Dynamik.