Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) ist ein mehrschichtiges System zur Dämmung von Gebäudeaußenwänden, das seit etwa 1965 auf dem Markt ist. Der Aufbau besteht aus aufeinander abgestimmten Baustoffen: Befestigung auf der Tragwand, Dämmstoff, Armierungsschicht und Außenputz. Die Fassade macht mit über 40 % in der Regel die größte Fläche der Gebäudehülle aus – eine optimale Dämmung der Außenwand reduziert Energieverluste und kann die Heizkosten merklich senken.

Wie bauen Sie ein WDVS richtig auf?

Der Systemaufbau folgt einem festen Muster, das Sie Schritt für Schritt umsetzen. Der Dämmstoff bildet das Kernelement und bestimmt maßgeblich Eigenschaften wie Wärmeschutz oder Brandschutz der Konstruktion. Sie kleben den Dämmstoff mit Klebemörtel auf den Untergrund und verdübeln ihn je nach Anforderung zusätzlich. Im Anschluss tragen Sie den Armierungsputz auf und betten das Armierungsgewebe ein. Abschließend bringen Sie einen Oberputz auf, den Sie individuell gestalten können.

Die Befestigung erfolgt je nach Untergrund unterschiedlich: Bei ebenen Untergründen und generell bei sehr dünnen Wärmedämmplatten führen Sie eine vollflächige Verklebung durch. Der Kleber wird über eine Zahntraufe ganzflächig aufgetragen und mit der gezahnten Seite abgezogen. Bei Untergründen mit Unebenheiten wenden Sie eine Punkt-Rand-Verklebung an. Der Kleber wird linienförmig auf den Plattenkanten aufgezogen und zusätzlich mit mindestens sechs Klebebatzen auf der Plattenfläche ergänzt. Wichtig: Der Kleber sollte so aufgetragen werden, dass eine Hinterströmung des Dämmstoffes vermieden wird.

Wann müssen Sie zusätzlich verdübeln?

Eine alleinige Verklebung ist nur bei Polystyrol-Hartschaumplatten mit einem System-Gesamtgewicht unter 10 kg/m² zulässig. Liegt das Gesamtgewicht darüber, ist eine zusätzliche Verdübelung erforderlich. Bei Systemen mit Steinwolledämmung müssen Sie generell zusätzlich verdübeln – unabhängig vom Gewicht. Die Systemdübel sind so ausgebildet, dass der Dübelkopf ebenengleich mit der Dämmung abschließt.

Bei Sanierungen von Altbauten ist eine zusätzliche Verdübelung immer empfehlenswert, da die Haftabzugswerte der alten Wandoberfläche häufig nicht bekannt sind. Hier müssen Sie insbesondere Altanstriche beachten.

Welche Dämmstoffe eignen sich für WDVS?

Historisch wurde ab 1957 in Berlin erstmals ein Wärmedämmverbundsystem mit Polystyrolhartschaum eingesetzt, der von BASF unter dem Markennamen Styropor vertrieben wurde. Die ersten Dämmstoffe mit einer Dicke von 20–50 mm waren noch weit vom heutigen Standard entfernt, sorgten aber für eine bis dahin nicht gekannte Heizenergieersparnis. Ab etwa 1977 verwendete man zunehmend Mineralfaserplatten.

Heute bietet ROCKWOOL mehrere Dämmplatten mit unterschiedlichen Materialeigenschaften, Formaten und Verarbeitungsmerkmalen an. Dazu gehören das passende Ergänzungsprodukt wie Brandriegel und Laibungsplatten. Steinwolle ist nichtbrennbar und bietet einen Schmelzpunkt von über 1.000 °C – sie ist damit uneingeschränkt bei allen Gebäuden einsetzbar und bietet höchsten Schutz im Brandfall.

Worauf kommt es beim Untergrund an?

Grundsätzlich sind alle Untergründe geeignet: Ziegel, Kalksandstein, Beton oder verputzte Bestandsfassaden. Bei ausreichender Tragfähigkeit des Untergrundes können Sie die Dämmplatten direkt aufkleben. Je nach Festigkeit des Dämmstoffes oder bei nicht ausreichender Tragfähigkeit des Untergrundes ist eine zusätzliche mechanische Befestigung erforderlich.

Wie funktioniert die Armierung?

Das Armierungsgewebe gleicht als Bestandteil eines WDVS witterungsbedingte thermische und hygrische Spannungen aus und verhindert Risse im Oberputz. Sie arbeiten es vollflächig über die gesamte Fassade in den Armierungsputz ein. Die erste Putzschicht auf dem verklebten Dämmstoff ist der Armierungsputz, in den Sie das Armierungsgewebe einlegen – es sorgt für die Stabilität der Putzschicht.

Welche Vorteile bietet ein WDVS mit Steinwolle?

  • Höchste Sicherheit durch hervorragenden Wärme-, Schall- und Brandschutz
  • Steigerung der Energieeffizienz des Gebäudes
  • Langlebigkeit und Werterhalt beziehungsweise Wertsteigerung des Gebäudes

Wegen der oft höheren mechanischen und feuchtebedingten Beanspruchung müssen Sie den Sockelbereich und erdberührte Bauteile anders ausbilden. Achten Sie darauf, dass alle Systemkomponenten – vom Klebemörtel über den Dämmstoff bis zum Oberputz – perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Praxis-Take-away: Ein WDVS funktioniert nur als System. Kleben Sie den Dämmstoff je nach Untergrund vollflächig oder nach der Punkt-Rand-Methode, verdübeln Sie bei Steinwolle immer zusätzlich und achten Sie auf eine vollflächige Armierung. Bei Altbau-Sanierungen prüfen Sie die Haftabzugswerte der alten Wandoberfläche – im Zweifel verdübeln Sie zusätzlich.