Der Sulfatwiderstand bezeichnet die Fähigkeit von Beton, chemischen Angriffen durch sulfathaltige Wässer und Böden standzuhalten. Sulfate können aus Grundwasser, Meerwasser, Industrieabwässern oder natürlichen Bodenbestandteilen stammen und die Betonmatrix schädigen. Die ÖNORM B 4710-1 regelt als nationale Umsetzung der europäischen Betonnorm ÖNORM EN 206 die Anforderungen an Beton für solche Expositionssituationen.
Die ÖNORM B 4710-1 beschreibt die auf den Beton einwirkenden Umgebungsbedingungen anhand von Expositionsklassen. Diese definieren die wesentlichen Anforderungen an die Zusammensetzung des Betons. Für sulfathaltige Umgebungen sind spezielle Festlegungen erforderlich. Die Norm weist jedem Beteiligten am Bauwerk klare Aufgaben zu: Der Planer oder Bauherr legt die Anforderungen fest, der Hersteller ist für die laufende Qualitätssicherung der Produktion verantwortlich, und der Verwender übernimmt das Einbringen und die Nachbehandlung des Betons.
Für Beton mit hohem Sulfatwiderstand werden spezielle Zemente mit der Kennzeichnung SR (Sulfate Resistant) nach EN 197-1 eingesetzt. Ein Beispiel ist der Hochofenzement CEM III/B 32,5 N-SR. Die Hauptbestandteile – Portlandzementklinker und Hüttensand – werden mit Calciumsulfat als Erstarrungsregler vermahlen. Auf Grund seiner besonderen Zusammensetzung erfüllt dieser Zement die Anforderungen an einen Zement mit hohem Sulfatwiderstand. Solche Zemente finden vorwiegend Einsatz zur Herstellung von massigen Bauteilen, Bauwerken mit Kontakt zu Abwässern sowie als Co-Bindemittel im Transportbeton.
Die ÖNORM B 4710-1 fasst die Expositionsklassen für häufige Anwendungsfälle in Betonkurzbezeichnungen zusammen (B1 bis B12, HL-SW). Diese decken die vorherrschenden Expositionsklassen ab und erleichtern die Auswahl und Bestellung der Betonsorten. Die empfohlenen Betonsorten enthalten neben den Betonkurzbezeichnungen auch die üblicherweise anzuwendenden Druckfestigkeitsklassen. Zur Auswahl der Betonsorten gilt die Empfehlung, die Anzahl auf möglichst wenige zu reduzieren.
Hochofenzemente mit Sulfatwiderstand sind in der Regel chromatarm gemäß EU-Richtlinie 2003/53/EG ausgeführt. Der Gehalt an wasserlöslichem Chrom VI beträgt dabei maximal 2 ppm.
Bei der Festlegung der Anforderungen an sulfatbeständigen Beton sollten Planer die Expositionsbedingungen des Bauteils genau ermitteln: Sulfatgehalt im Grundwasser oder Boden, pH-Wert, Fließgeschwindigkeit des Wassers und Bauteilgeometrie. Der Hersteller muss die Konformität der Betonproduktion kontinuierlich nachweisen. Der Verwender ist für die fachgerechte Verarbeitung und Nachbehandlung verantwortlich, da unzureichende Verdichtung oder Austrocknung die Dauerhaftigkeit des Betons beeinträchtigen kann.
Die ÖNORM B 4710-1 stellt sicher, dass Beton in sulfathaltigen Umgebungen dauerhaft standhält. Durch die Auswahl geeigneter Zemente mit SR-Kennzeichnung, die Einhaltung definierter Expositionsklassen und eine klare Aufgabenverteilung zwischen Planer, Hersteller und Verwender wird die Betonqualität über die gesamte Nutzungsdauer des Bauwerks gesichert.
