Die Schweizer Gruppe Holcim Holcim kündigt ihre Absicht an, die Abscheidung und geologische Speicherung von CO₂ (Carbon Capture and Storage, CCS) einzuführen, um die Emissionen ihrer Zementproduktion zu reduzieren. Diese Strategie steht im Kontext der Zementherstellung, die durch die Kalzinierung von Klinker etwa 8 % der weltweiten CO₂-Emissionen verursacht. Für die Zementindustrie, die zunehmend strengere Klimaziele einhalten muss, erscheint CCS als eine der wenigen Technologieoptionen, die Prozessemissionen reduzieren kann – jene Emissionen, die direkt aus der chemischen Umwandlung von Kalkstein zu Klinker entstehen und nicht aus der Energieverbrennung.

Das CCS-Prinzip besteht darin, CO₂ am Ofenausgang abzuscheiden, es zu reinigen und dann per Pipeline zu tiefen geologischen Formationen zu transportieren – typischerweise ehemalige Gas- oder Salzwassservorkommen – wo es dauerhaft eingeleitet und gespeichert wird. Im Gegensatz zur Ersetzung von Klinker durch Materialien wie Hüttensand oder Flugasche, die den Klinkerfaktor in Zementen vom Typ CEM II oder CEM III reduzieren, greift CCS direkt die Prozessemissionen an, die sonst kaum vermeidbar sind.

Die technischen Details des Holcim-Projekts – Abscheidungskapazität, Speicherstandorte, Inbetriebnahmezeitplan – bleiben derzeit in öffentlichen Mitteilungen wenig dokumentiert. Dennoch entspricht das Vorgehen der Logik der schrittweisen Dekarbonisierung, die die Gruppe in den letzten Jahren verfolgt hat, mit dem Ziel, ihre spezifischen CO₂-Emissionen pro Tonne Bindemittel zu reduzieren.

Die CCS-Technologie ruft jedoch erhebliche Kritik hervor. Gegner prangern ein kostspieliges, energieintensives Verfahren an, das die Abhängigkeit von grundsätzlich kohlenstoffintensiven Prozessen verlängern könnte. Nach ihrer Ansicht stellt CCS eine Form des technologischen Greenwashing dar, das Investitionen von radikaleren Lösungen ablenkt: Umstellung auf alternative Bindemittel mit niedriger Klinkergehalte, Entwicklung von Carbonbeton oder verstärkte Nutzung von Recyclingbaustoffen im Rahmen der Kreislaufwirtschaft. Darüber hinaus bleibt die Langzeitsicherheit der geologischen Speicherung – insbesondere das Risiko von Leckagen oder CO₂-Migration – ein Thema der Forschung und behördlichen Überwachung.

Für Planer und Ingenieure ist die Herausforderung zweifach: zu bewerten, ob Produkte aus Ketten mit CCS von validierten EPD mit reduzierten Emissionen profitieren können, und ob diese Gewinne in Zertifizierungssystemen wie DGNB anerkannt werden. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit wird stark von Kohlenstoffpreismechanismen abhängen, insbesondere im Rahmen des zukünftigen europäischen CBAM. Es bleibt abzuwarten, ob CCS zum Industriestandard wird oder eine Zusatzlösung bleibt, begrenzt durch Kosten und gesellschaftliche Akzeptanz.