Fließestrich ist ein Estrich mit zugesetztem Fließmittel zur Selbstnivellierung. Nach dem Mischvorgang wird das Material eingepumpt und mit einem Schlagbesen durchgeschlagen, um Luftporen entweichen zu lassen und den Selbstnivelliervorgang zu aktivieren. Die mechanischen Arbeitsschritte des Verteilens, Verdichtens, Abreibens und Glättens entfallen vollständig.
Welche Bindemittelsysteme kommen zum Einsatz?
In Abhängigkeit vom verwendeten Bindemittel gibt es unterschiedliche Arten von Fließestrichen. Knauf und andere Hersteller bieten vor allem zwei Systeme an:
- Zementfließestriche (CTF): kommen als schwimmender Estrich, Estrich auf Trennschicht oder im Verbund zum Einsatz
- Calciumsulfat-Fließestriche (CFE): werden im Neubau und zur Renovierung von Anhydritaltestrichen eingesetzt
Das Bindemittel bestimmt die grundlegenden Eigenschaften. Calciumsulfat-Fließestriche enthalten im Prinzip Gips als Bindemittel, was einen entscheidenden Vorteil mit sich bringt: Der Estrich schwindet beim Trocknen vergleichsweise wenig. Zementfließestriche zeigen dagegen stärkeres Schwinden, weshalb der Verarbeiter Bewegungsfugen einarbeiten muss, die auch in den Bodenoberbelag zu übernehmen sind. Calciumsulfat-Systeme ermöglichen durchgängige Bodenoberflächen ohne Bewegungsfugen.
Wie unterscheidet sich die Verarbeitung von konventionellem Estrich?
Die fließfähige Konsistenz liegt nur zum Zeitpunkt der Verarbeitung vor. Der Estrichleger verteilt das Material mit einem Gießschlauch gleichmäßig auf dem Untergrund. Durch die Wirkung der Schwerkraft entsteht automatisch eine ebene Oberfläche – die flüssige Estrichmasse pendelt sich überall auf eine einheitliche Bodenhöhe ein.
Für die Herstellung als Baustellenestrich sind spezielle Mischpumpen entwickelt worden, die es je nach System mit Ein- oder Mehrkammersilos für Bindemittel, Zuschläge oder Trockenmischungen gibt. Das Einbringen von Fließestrich erfordert spezielles Fachkönnen und wird am besten von einer Hand-in-Hand arbeitenden Kolonne erledigt.
Konventioneller Estrich dagegen wird mit der Schaufel verteilt, bevor ihn der Verarbeiter mühsam verdichten und glätten muss. Dieses aufwändige Verdichten gelingt immer nur teilweise – in den tiefer gelegenen Schichten verbleiben in der Regel dauerhaft Poren und Lufteinschlüsse.
Welche Vorteile bietet die Selbstverdichtung?
Fließestrich verdichtet sich von selbst. Nach dem Trocknen enthält das flüssige Material kaum noch Poren oder Lufteinschlüsse, ohne dass der Estrichleger dafür etwas tun müsste. Deshalb sind bei konventionellem Estrich vergleichsweise dicke Bodenschichten notwendig. Fließestrich lässt sich dagegen bei gleicher Belastbarkeit schlanker einbauen.
Die selbstverdichtenden Eigenschaften und die geringe Porosität zeigen sich besonders vorteilhaft beim Verlegen von Fußbodenheizungen. Der Estrich umschließt die Heizungsrohre gleichmäßig, was die Effektivität der Heizung erhöht. Die Wärme des in den Rohren fließenden Wassers wird schneller an die Bodenoberfläche transportiert. Alle Fließestrich-Arten eignen sich sehr gut als Heizestriche, da sie die einzelnen Heizelemente lückenlos ummanteln und damit eine effiziente Wärmeübertragung ermöglichen.
Wo bleiben Zementestriche unverzichtbar?
In manchen Bereichen bleibt herkömmlicher, nicht fließfähiger Zementestrich weiterhin unverzichtbar. Das gilt vor allem für Böden mit Gefälle – dass man diese nicht mit Fließestrich aufbauen kann, leuchtet unmittelbar ein. Auch in Feuchträumen und im gesamten Außenbereich bleibt althergebrachter Estrich das Mittel der Wahl. Calciumsulfat-Fließestriche sind nämlich nicht wasserbeständig und dürfen daher im Freien nicht zum Einsatz kommen.
Zementfließestriche werden hauptsächlich im Wohnungsbau eingesetzt. Sie bestehen wie konventionelle Zementestriche aus Zement und Zuschlägen, erhalten aber Fließmittel-Zusätze für die Selbstnivellierung. Die Anforderungen an Estrichmörtel und Estrichmassen regelt DIN EN 13813, die sowohl Leistungskriterien als auch Prüfverfahren definiert.
Hersteller wie Heidelberg Materials liefern Zementfließestrich fertig angemischt mit dem Fahrmischer auf die Baustelle. Die bauchemischen Zusätze versuchen dabei, die Trocknungszeiten von Fließestrichen zu verkürzen – denn trotz schnellerer Verarbeitung dauert es relativ lange, bis selbstnivellierende Systeme trocknen und belegreif sind.
