Celluloseether (CE) und Stärkeether (SE) wirken im Trockenmörtel auf unterschiedliche Weise: Celluloseether beeinflusst vor allem Konsistenz, Luftgehalt, Rohdichte und Wasserrückhaltevermögen von Zementmörteln im Frischzustand, während Stärkeether stärker in den Hydratationsprozess eingreift und das Abbinden sowie Erhärten deutlich stärker verzögert als Celluloseether. Das geht aus einer Untersuchung der Kielce University of Technology hervor, in der beide Polymere in einem Dosierbereich von 0,056 % bis 0,22 % bezogen auf die Trockenbestandteile des Mörtels geprüft wurden. Die Wirkung beider Zusatzmittel nimmt mit steigender Polymermenge zu – allerdings je nach Ethertyp unterschiedlich stark ausgeprägt.

Für Hersteller von Werktrockenmörteln ist diese Differenzierung praxisrelevant: Die richtige Wahl von Typ und Menge dieser viskositätsmodifizierenden Zusatzmittel (VMA) entscheidet darüber, ob sich ein Mörtel im frischen Zustand korrekt verarbeiten lässt und welche Eigenschaften die ausgehärtete Rezeptur später erreicht.

Wie sind Celluloseether chemisch aufgebaut?

Celluloseether entstehen aus Cellulose durch Veretherung mit einem oder mehreren Veretherungsmitteln und anschließendes Trockenmahlen. Nach der chemischen Struktur ihrer Ether-Substituenten unterscheidet man anionische, kationische und nichtionische Celluloseether. Zu den ionischen Vertretern zählt insbesondere Carboxymethylcellulose (CMC); zu den nichtionischen gehören Methylcellulose (MC), Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) und Hydroxyethylcellulose (HC).

Weil ionische Celluloseether in Gegenwart von Calciumionen instabil sind, kommen sie in zement- oder kalkgebundenen Trockenmörteln selten zum Einsatz. Dominant sind dagegen wasserlösliche nichtionische Ether, die sich durch Suspensionsstabilität und Wasserrückhaltevermögen auszeichnen. In der Praxis werden vor allem folgende Typen in Mörtelrezepturen eingesetzt:

  • Methylcelluloseether (MC)
  • Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) — am weitesten verbreitet
  • Hydroxyethylmethylcelluloseether (HEMC) — ebenfalls weit verbreitet
  • Hydroxyethylcelluloseether (HEC)

Bei der Herstellung wird die Cellulosefaser zunächst in alkalischer Lösung erhitzt und anschließend mit einem Veretherungsmittel behandelt; das faserige Reaktionsprodukt wird gereinigt und zu einem Pulver definierter Feinheit vermahlen. Bei MC kommt ausschließlich Methylchlorid als Veretherungsmittel zum Einsatz.

Welche Rolle spielt die Wasserrückhaltung in Trockenmörteln?

Während des Verarbeitungsprozesses verliert Mörtel ohne geeignete Additive häufig zu viel Wasser an den Untergrund oder die Umgebung, wodurch der Zementleim nicht ausreichend Zeit und Wasser für die Hydratation zur Verfügung hat. Die Folge sind unzureichende Festigkeitsentwicklung und Rissbildung nach dem Aushärten. Celluloseether als gängiges Polymerzusatzmittel in Trockenmörtel übernimmt hier mehrere Funktionen gleichzeitig: Wasserrückhaltung, Verdickung, Verzögerung der Abbindezeit und Luftporenbildung.

Diese Mehrfachwirkung macht Celluloseether besonders relevant für Anwendungen, bei denen der Mörtel über längere Transportwege oder Standzeiten hinweg verarbeitbar bleiben muss, etwa bei Fliesenklebern, Putzen oder Mauermörteln. Der Zusammenhang zwischen Polymerdosierung und Verarbeitungseigenschaften ist dabei nicht linear, sondern nimmt mit steigender Zugabemenge zu.

Worin unterscheiden sich Celluloseether und Stärkeether in der Wirkung?

Der zentrale Unterschied liegt im Angriffspunkt der beiden Polymere: Celluloseether wirkt primär auf die Frischmörtel-Eigenschaften — Konsistenz, Luftgehalt, Rohdichte und Wasserrückhaltevermögen gewöhnlicher Trockenmörtel zeigten in der Untersuchung die stärkste Beeinflussung durch Celluloseether. Stärkeether hingegen griff deutlich stärker in den Hydratationsprozess selbst ein und verzögerte Abbinde- und Erhärtungsvorgänge wesentlich ausgeprägter als Celluloseether.

Für Formulierer von Trockenmörteln bedeutet das: Wer die offene Zeit und Verarbeitbarkeit steuern will, ohne die Erhärtung übermäßig zu verzögern, muss Dosierung und Ethertyp sorgfältig aufeinander abstimmen. Da Mörtelrezepturen laut der zugrundeliegenden Studie oft aus mehreren bis über einem Dutzend unterschiedlicher Inhaltsstoffe bestehen, erfordert die Entwicklung entsprechender Rezepturen umfangreiches Fachwissen und praktische Erfahrung, da bereits geringe Mengen mancher Zusatzmittel die Eigenschaften von Frisch- und Festmörtel erheblich verändern können.

Was bedeutet das für die Mörtelpraxis?

Die Untersuchung legt nahe, dass die kombinierte oder gezielt getrennte Verwendung von Celluloseether und Stärkeether Formulierern erlaubt, Haftung, Standfestigkeit und offene Zeit unabhängiger voneinander einzustellen, als es mit nur einem der beiden Zusatzmittel möglich wäre. Für Hersteller von Fliesenklebern, Putzmörteln oder Mauermörteln ist die Wahl des richtigen Ethertyps und der passenden Dosierung damit ein entscheidender Stellhebel zwischen Verarbeitbarkeit auf der Baustelle und Festigkeitsentwicklung im ausgehärteten Zustand. Wer sich vertiefend mit angrenzenden Zusatzmitteln für Trockenmörtel beschäftigen will, findet ergänzende Einordnungen im Artikel zu redispergierbaren Polymerpulvern.