Die ordnungsgemäße Verarbeitung von Mörtel hängt entscheidend von den Temperaturverhältnissen während des Auftrags und der Erhärtungsphase ab. Mörtel ist ein mineralischer Baustoff aus Bindemittel wie Zement oder Kalk, feinkörnigen Zuschlägen mit Korngrößen bis maximal vier Millimetern, Wasser und gegebenenfalls Zusatzmitteln. Die Erhärtung erfolgt je nach Bindemittel durch Hydratation bei Zement, Carbonatisierung bei Kalk oder eine Kombination beider Prozesse. Ungünstige Witterungseinflüsse können die chemischen Reaktionen stören und die Endfestigkeit sowie Dauerhaftigkeit erheblich beeinträchtigen.

Die Erhärtung von Zementmörtel beginnt unmittelbar nach dem Anmischen. Die Reaktionsgeschwindigkeit der Hydratation hängt direkt von der Umgebungstemperatur ab: Hohe Temperaturen beschleunigen die chemischen Prozesse, niedrige Temperaturen verzögern sie. Kalk-basierte Mörtel sind auf Luftzutritt und ausreichende Feuchte für die Carbonatisierung angewiesen.

Ein kritischer Faktor ist das Wasser-Zement-Verhältnis. Das optimale Verhältnis liegt bei etwa 0,4 bis 0,6, da zu viel Wasser die Endfestigkeit verringert und die Schwindneigung erhöht. Zementmörtel neigt zu Schwindrissen, wenn er zu viel Wasser enthält. Traditionelle Mörtel werden meist auf saugfähige Baustoffe wie Kalksandstein oder Ziegel aufgetragen, an welche sie Wasser abgeben. Dies führt nach dem Auftrag zu einem ersten Ansteifen des Mörtels und beeinflusst die spätere Festigkeitsentwicklung.

Frost während der Erhärtungsphase stellt ein erhebliches Risiko dar. Bei Frost kann das im Mörtel enthaltene Wasser gefrieren und zu inneren Spannungen führen, die die Festigkeit dauerhaft reduzieren. Die Einhaltung von Mindesttemperaturen während der ersten Tage der Erhärtung ist deshalb entscheidend. Schutzmaßnahmen umfassen die Einhausung von Baustellen bei Frostgefahr mit temporären Heizgeräten sowie die Verwendung von Zusatzmitteln wie Frostschutzmitteln bei besonderen klimatischen Bedingungen.

Die Leistungsfähigkeit eines Mörtels entsteht aus dem Zusammenspiel von Bindemittel, Korngrößenverteilung, Wassergehalt und Zusatzmitteln. Entscheidend sind die Konsistenz bei der Verarbeitung, die Haftung an Stein oder Beton, das Verformungsverhalten sowie die Widerstände gegen Frost, Feuchte, chemische Einflüsse und Abrieb. Ein niedriger Wasser-Binder-Wert erhöht üblicherweise die Dichte und Festigkeit, kann aber die Verarbeitbarkeit einschränken. Kalkanteile steigern die Geschmeidigkeit, während Zement für frühen Festigkeitsaufbau und hohe Endfestigkeiten sorgt.

Die Auswahl des Mörtels muss an die Anforderungen des jeweiligen Anwendungsfalls angepasst werden. Voraussetzung für dauerhaftes Verhalten ist die Kompatibilität mit dem Untergrund hinsichtlich Steifigkeit, Festigkeit und Feuchtehaushalt. Bei Naturstein oder historischem Mauerwerk kann Zementmörtel aufgrund seiner hohen Festigkeit oft zu hart sein und zu Spannungen im Bauwerk führen. Wesentliche Kennwerte für die Beurteilung der Mörtelqualität sind Konsistenz, Haftzugfestigkeit, Druck- und Biegezugfestigkeit, Wasseraufnahme und Beständigkeit gegen Frost. Diese Parameter müssen in der Planung berücksichtigt werden, um die Dauerhaftigkeit des Bauwerks langfristig zu gewährleisten.