Eine bemerkenswerte Entwicklung in einem von Überkapazitäten und Preisdruck geprägten Marktumfeld: Mayr-Melnhof Holz hat nach eigenen Angaben das beste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Während weite Teile der europäischen Sägeindustrie mit rückläufigen Absätzen und sinkenden Schnittholzpreisen kämpfen, konnte der österreichische Holzkonzern seine Position deutlich stärken – ein Indikator für strukturelle Verschiebungen im Markt für Holzwerkstoffe und industriell veredelte Halbzeuge.
Die Erfolgsfaktoren liegen vermutlich in der vertikalen Integration des Unternehmens, das nicht nur Schnittholz produziert, sondern auch weiterverarbeitete Produkte wie Brettschichtholz (BSH) und Brettsperrholz (CLT) herstellt. Gerade im Segment der technischen Holzbauprodukte zeigt sich trotz konjunktureller Schwäche im Wohnungsbau eine anhaltend hohe Nachfrage, getrieben durch Bauvorhaben im mehrgeschossigen Holzrahmenbau und die zunehmende Substitution von Stahlbeton durch CLT-Elemente in gewerblichen Projekten. Die gestiegenen Anforderungen an Brandschutz und statische Nachweise gemäß Eurocode 5 haben dabei die Nachfrage nach industriell gefertigten, qualitätsgesicherten Holzwerkstoffen mit CE-Kennzeichnung und allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) verstärkt.
Entscheidend für die Marktposition dürfte auch die geografische Diversifikation sein: Mayr-Melnhof Holz betreibt Standorte in Österreich, Deutschland und weiteren europäischen Märkten, was Schwankungen in regionalen Baumärkten abfedert. Zudem profitiert das Unternehmen von der steigenden Nachfrage nach Schnittholz mit dokumentierter Herkunft und EPD (Environmental Product Declaration), da Bauprojekte zunehmend Nachhaltigkeitszertifizierungen nach DGNB oder LEED anstreben. Die CO₂-Speicherwirkung von Holzbaustoffen wird dabei zum kaufentscheidenden Argument, insbesondere bei öffentlichen Ausschreibungen und ESG-orientierten Investoren.
Für die weitere Marktentwicklung bleibt allerdings abzuwarten, ob die Nachfrage nach Holzhochhäusern und mehrgeschossigen Holzbauten das schwache Einfamilienhaussegment kompensieren kann. Angesichts steigender Zinsen und restriktiver Baufinanzierungen in Deutschland und Österreich dürfte der Wohnungsbau 2024 weiter unter Druck bleiben. Planer sollten die Verfügbarkeit von CLT-Elementen in den kommenden Monaten genau beobachten: Kapazitätsengpässe bei Herstellern mit hoher Auslastung könnten zu längeren Lieferzeiten führen. Die Entwicklung bei Mayr-Melnhof Holz zeigt jedoch, dass technologische Differenzierung und Produktveredlung auch in zyklischen Märkten Wachstum ermöglichen – eine Strategie, die auch andere Akteure wie STEICO und EGGER verfolgen.