Der österreichische Dämmstoff-Hersteller Knauf Insulation erweitert sein Angebot um spezialisierte Brandschutzsysteme, die auf der bewährten Fireboard-Produktlinie basieren. Die Systeme richten sich gezielt an Planer und Verarbeiter im mehrgeschossigen Holzbau, wo passiver Brandschutz eine zentrale technische und regulatorische Anforderung darstellt. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund verschärfter Brandschutznormen und einer steigenden Nachfrage nach integrierten, geprüften Systemlösungen statt Einzelprodukten.

Marktdynamik: Vom Einzelprodukt zur zertifizierten Systemlösung

Die Baustoffbranche beobachtet seit mehreren Jahren eine klare Verschiebung in Richtung Systemanbieter. Während Planer früher Brandschutzplatten, Befestigungen und Dichtungssysteme separat zusammenstellten, fordern sie heute durchgängig getestete und zertifizierte Pakete. Diese Entwicklung betrifft besonders den Holzhochbau, wo Brandschutzauflagen durch Bauordnungsnovellen in Österreich und Deutschland deutlich verschärft wurden. Mehrgeschossige Holzbauten der Gebäudeklasse 4 und 5 müssen heute F90- oder F120-Anforderungen erfüllen – teilweise mit nicht brennbaren Bekleidungen in tragenden Bauteilen.

Knauf Insulation positioniert seine Fireboard-Systeme als Antwort auf diese regulatorische Verschärfung. Die Plattensysteme auf Basis mineralischer Dämmstoffe sind nach Euroklasse A1 (nicht brennbar) klassifiziert und lassen sich als raumabschließende Bekleidung in Holzrahmen-, Holztafel- und CLT-Konstruktionen einsetzen. Sie dienen der Erfüllung von Feuerwiderstandsklassen in Wand-, Decken- und Dachkonstruktionen – ein Bereich, in dem Gipskartonplatten trotz ihrer Verbreitung an physikalische Grenzen stoßen, etwa bei hoher Feuchtebelastung oder in Kombination mit hinterlüfteten Fassaden.

Technische Einordnung: Fireboard im Vergleich zu Gipskarton und Faserzement

Fireboard-Platten bestehen aus Mineralwolle, die mit mineralischen Bindemitteln zu einer dichten, formstabilen Platte verpresst wird. Im Vergleich zu klassischen Gipskartonplatten der Feuerschutzklasse F bieten sie Vorteile bei der Feuchtebeständigkeit und bei der Wärmedämmleistung, da sie zugleich als Dämmschicht fungieren können. Gegenüber Faserzementplatten punkten sie mit geringerer Rohdichte und besserer Bearbeitbarkeit auf der Baustelle – ein Faktor, der in der Praxis über Akzeptanz und Verarbeitungskosten mitentscheidet.

Entscheidend für die Systemzertifizierung ist die Abstimmung von Platte, Unterkonstruktion, Befestigung und Fugenausbildung. Knauf bietet dazu abgestimmte Systemaufbauten mit definierten Schraubenabständen, Plattenüberständen und Dichtbändern. Diese werden in Brandprüfungen nach DIN 4102 oder EN 13501 getestet und als Prüfzeugnisse dokumentiert. Für Planer bedeutet das: Der Nachweis der Feuerwiderstandsdauer ist über das Systemzertifikat abgedeckt – ein erheblicher Vorteil in Genehmigungsverfahren.

Anwendungsbereiche: Wo Fireboard-Systeme zum Einsatz kommen

Die Hauptanwendungsfelder liegen im mehrgeschossigen Holzrahmenbau und in hybriden Bauweisen, in denen tragende Holzteile gegen Brandeinwirkung zu kapseln sind. Typische Einsatzorte sind:

  • Innenwände in Wohngebäuden mit Feuerwiderstandsklasse F90 (tragende und nichtragende Trennwände zwischen Nutzungseinheiten)
  • Deckenuntersichten in Holzbalkendecken, die als Raumabschluss nach unten fungieren
  • Verkleidungen in Treppenhäusern und Fluren, wo erhöhte Anforderungen an die Rauchgasdichtheit bestehen
  • Fassaden in Kombination mit hinterlüfteten Systemen, bei denen Brennbarkeitsklasse A erforderlich ist

Besonders im städtischen Holzbau ist die Verfügbarkeit zertifizierter Brandschutzsysteme zu einem Engpassfaktor geworden. Während die statische Tragfähigkeit von CLT-Elementen technisch beherrschbar ist, scheitern Projekte häufig an unklaren oder fehlenden Brandschutznachweisen. ROCKWOOL, ISOVER und andere Mineralwoll-Hersteller haben in den letzten Jahren ebenfalls ihre Systemportfolios ausgebaut – der Wettbewerb findet zunehmend über die Vollständigkeit der technischen Dokumentation statt.

Normative Rahmenbedingungen: Verschärfung treibt Nachfrage

Die Novellierung der Musterbauordnung (MBO) in Deutschland und entsprechende Anpassungen in Österreich haben die Anforderungen an brennbare Baustoffe deutlich verschärft. In Gebäudeklasse 5 (Hochhäuser über 13 m) sind brennbare Dämmstoffe in der Fassade inzwischen weitgehend ausgeschlossen, in Gebäudeklasse 4 gelten strenge Auflagen. Parallel dazu fordert die EN 13501-1 eine europaweit einheitliche Klassifizierung von Bauprodukten nach Brandverhalten (A1, A2, B, C, D, E, F) und Rauchentwicklung (s1, s2, s3). Diese regulatorische Verschärfung hat die Nachfrage nach A1-klassifizierten Systemlösungen sprunghaft erhöht.

Für Hersteller wie Knauf bedeutet das: Produktentwicklung muss sich stärker an Prüfverfahren und Zulassungsprozessen orientieren. Die Fireboard-Systeme sind nach aktuellen Normen geprüft und verfügen über Leistungserklärungen nach Bauproduktenverordnung (EU) 305/2011. Das ermöglicht den Einsatz in öffentlichen Ausschreibungen und erleichtert die CE-Kennzeichnung.

Marktpotenzial und Wettbewerbsumfeld

Der europäische Markt für passiven Brandschutz im Bauwesen wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt, mit zweistelligen Wachstumsraten im Segment Holzbau. Knauf Insulation positioniert sich mit den Fireboard-Systemen als Komplettanbieter, der neben Dämmung auch Brandschutz aus einer Hand liefert. Das ist strategisch plausibel: Planer und ausführende Unternehmen bevorzugen Systemlieferanten, die Haftung und technische Beratung übernehmen.

Im Wettbewerb steht Knauf dabei nicht nur anderen Dämmstoffherstellern gegenüber, sondern auch spezialisierten Brandschutzanbietern wie Promat, Fermacell (Etex-Gruppe) oder Rigips (ebenfalls Knauf-Gruppe). Die Abgrenzung erfolgt über Materialwahl, Systemkomplexität und Verfügbarkeit technischer Dokumentation. Wienerberger und andere Ziegelhersteller setzen bei mehrgeschossigen Bauten weiterhin auf massive mineralische Bauweisen, die von Haus aus hohe Feuerwiderstandsdauern bieten – ein struktureller Vorteil, den der Holzbau konstruktiv ausgleichen muss.

Fazit: Systemdenken wird Standard

Die Ausweitung des Fireboard-Portfolios durch Knauf Insulation spiegelt eine breitere Marktentwicklung wider: Der Übergang von Einzelprodukten zu zertifizierten Bausystemen ist im Brandschutz inzwischen vollzogen. Planer verlangen geprüfte Systemaufbauten, Bauherren fordern Rechtssicherheit, und Ausführende brauchen eindeutige Verarbeitungsrichtlinien. Hersteller, die diese drei Anforderungen erfüllen, sichern sich Zugang zu einem wachsenden Markt – insbesondere im mehrgeschossigen Holzbau, wo Brandschutz über Projektrealisierung entscheidet.

Weitere Informationen zu den Fireboard-Systemen finden sich auf der Produktseite von Knauf Insulation Österreich. Verwandte Entwicklungen im Bereich Brandschutz und Holzbau sind in unserem Beitrag Knauf Insulation erweitert Brandschutz-Portfolio: Fireboard-Systeme für Holzhochhäuser dokumentiert.