Eine Entwicklung, die den Dämmstoffmarkt im Sanierungsbereich verändern könnte: ISOVER (Saint-Gobain) hat eine neue Mineralwolle-Einblasdämmung vorgestellt, die gezielt für die energetische Sanierung von Bestandsbauten entwickelt wurde. Mit den Produkten Topdec und Integra adressiert der Hersteller eine zentrale Herausforderung im Altbau: die nachträgliche Dämmung von Hohlräumen in Wänden, Dächern und Geschossdecken ohne aufwändige Entkernung der Bausubstanz.

Einblasdämmstoffe aus Mineralwolle unterscheiden sich von klassischen Platten- oder Mattenlösungen durch ihre Verarbeitungsweise: Das lose Material wird mittels Einblasmaschine in vorhandene Hohlräume eingebracht und verdichtet sich dort zu einer fugenfreien Dämmschicht. Gegenüber konventionellen Dämmstoffen wie EPS (Styropor) oder Holzfaserdämmung bietet Mineralwolle den Vorteil der Nichtbrennbarkeit gemäß Euroklasse A1 nach DIN EN 13501-1 – ein entscheidendes Kriterium für Mehrfamilienhäuser und öffentliche Gebäude.

Für Planer und ausführende Betriebe stellt sich bei Sanierungsvorhaben regelmäßig die Frage nach der Wirtschaftlichkeit: Die Einblasdämmung ermöglicht den Verzicht auf vollflächige Rückbauten, was Kosten und Bauzeit reduziert. Gleichzeitig müssen die erreichbaren Lambda-Werte (λ) und die Rohdichte nach dem Einbringen in der Praxis beachtet werden, da diese vom Verdichtungsgrad abhängen. ISOVER gibt für seine neuen Produkte keine detaillierten thermischen Kennwerte an, doch typische Einblasmineralwollen erreichen λ-Werte im Bereich von 0,035 bis 0,040 W/(m·K) – vergleichbar mit Standarddämmplatten.

Der Marktkontext spricht für die neue Produktlinie: Die energetische Sanierung des Gebäudebestands ist zentral für die Klimaziele bis 2045. Rund 41 Millionen Wohneinheiten in Deutschland benötigen eine energetische Ertüchtigung, wobei der U-Wert der Gebäudehülle häufig nur durch nachträgliche Dämmmaßnahmen auf das nach GEG geforderte Niveau gebracht werden kann. Einblasdämmstoffe sind dabei eine Schlüsseltechnologie, um Kompromisse zwischen Denkmalschutz, Bauphysik und Wirtschaftlichkeit zu erzielen.

Mit der Markteinführung von Topdec und Integra positioniert sich ISOVER gegenüber Wettbewerbern wie ROCKWOOL, die ebenfalls Einblaslösungen anbieten. Entscheidend wird sein, wie sich die neuen Produkte hinsichtlich Verarbeitungsgeschwindigkeit, Setzungsverhalten und EPD-Daten im Wettbewerb behaupten. Weitere Informationen finden sich auf der ISOVER-Website sowie in der ausführlichen Produktanalyse.